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Tuesday, 28. April 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

Antiziganismus auf Rekordhoch: Sinti und Roma stärker diskriminiert

Antiziganistische Vorfälle in Berlin haben 2025 einen neuen Höchststand erreicht, wobei Frauen besonders stark betroffen sind. Der Anstieg ist kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller Diskriminierung, die sich durch alle gesellschaftlichen Bereiche zieht. Zivilgesellschaftliche Monitoring-Stellen leisten unverzichtbare Dokumentationsarbeit und fordern endlich wirksame politische Antworten. Für Mecklenburg-Vorpommern zeigt das: Ohne konsequentes Erfassen und Benennen bleibt Diskriminierung unsichtbar und folgenlos.

Wenn eine Minderheit systematisch diskriminiert wird und die Zahlen trotzdem Jahr für Jahr steigen, ist das kein Randproblem – das ist ein Versagen demokratischer Schutzstrukturen. Sinti und Roma gehören zu den am stärksten marginalisierten Gruppen in Deutschland, mit langer Geschichte staatlicher Verfolgung bis in die NS-Zeit. Eine offene Gesellschaft misst sich daran, wie sie Menschen schützt, die keine starke Lobby haben.

Antiziganismus ist in Ostdeutschland besonders virulent – die Erfahrungen aus der Nachwendezeit mit rassistischer Gewalt gegen Sinti und Roma sind noch nicht aufgearbeitet. Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es kaum sichtbare Strukturen, die diese Gemeinschaft unterstützen oder Diskriminierung systematisch erfassen. Der Berliner Höchststand sollte Anlass sein, vergleichbare Monitoring-Strukturen in der Fläche aufzubauen und bestehende Beratungsangebote für Betroffene bekannter zu machen.