Genetik entzaubert den Mythos der Völkerwanderung
Die Revision historischer Großmythen hat gesellschaftliche Tragweite, weil Narrative über ethnische Herkunft und Identität bis heute politisch instrumentalisiert werden. Wer belegt, dass 'Völker' keine stabilen genetischen Einheiten waren, sondern dynamische Mischgesellschaften, entzieht völkischen Identitätskonzepten die historische Grundlage. Evidenzbasierte Geschichtsforschung stärkt damit eine offene Gesellschaft, die sich nicht auf Abstammungsmythen stützt.
Die Studie steht exemplarisch für das Potenzial von Archäogenetik und interdisziplinärer Forschung, festgefahrene Geschichtsbilder zu korrigieren. Für Bildung, Geschichtsunterricht und den gesellschaftlichen Diskurs über Migration und Identität liefert sie wichtige Impulse. Künftige Forschungsprojekte dieser Art könnten auch die Geschichte Norddeutschlands und Mecklenburgs in der Spätantike neu beleuchten.