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Wednesday, 20. May 2026
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Greifswald: 55 neue Wohnungen am Ryck – aber zu welchem Preis?

In Greifswald entstehen 55 neue Wohnungen am Ryck – klingt erstmal gut, aber die Preise sprechen eine deutliche Sprache: Das ist kein Wohnraum für Krankenpflegerinnen, Verkäufer oder Rentner, sondern für Gutverdiener. Eine Brachfläche wird bebaut, das ist positiv. Doch der eigentliche Bedarf in der Region liegt woanders: bezahlbarer Wohnraum fehlt, nicht Premiumappartements mit Wasserblick. Die Frage, wie Greifswald und Mecklenburg-Vorpommern insgesamt mehr geförderten Wohnungsbau anschieben, bleibt dringend unbeantwortet.

Neuer Wohnraum ist grundsätzlich gut – aber Wohnraum in Toplage zu Toppreisen löst das Wohnproblem in Greifswald nicht. Die Stadt braucht bezahlbare Mietwohnungen für Studierende, Pflegekräfte und Geringverdienende, nicht weitere Premiumobjekte für zahlungskräftige Zuzügler. Die eigentliche Frage für eine offene Gesellschaft lautet: Wer kann sich das leisten, und wer wird durch solche Projekte aus der Innenstadt verdrängt?

Greifswald wächst – aber nicht für alle. Ein weiteres Hochpreisprojekt in bester Lage verschärft den Druck auf den angespannten Wohnungsmarkt für normale Haushalte eher, als ihn zu entspannen. Kommunalpolitik und Stadtplanung müssen sich fragen, welche Auflagen sie Investoren stellen, damit Wohnungsbau auch dem Gemeinwohl dient. Belegungsrechte, Sozialwohnungsquoten oder gemeinschaftliche Wohnprojekte wären konkrete Instrumente, die in Greifswald bisher kaum genutzt werden.