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Monday, 27. April 2026
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Regional MV

Hochschule Stralsund: Internationale Studierende prägen BWL-Jahrgang

An der Hochschule Stralsund kommen inzwischen mehr als die Hälfte der BWL-Erstsemester aus dem Ausland – aus Polen, Nigeria, Vietnam und weiteren Ländern. Das zeigt, dass auch Hochschulen abseits der großen Städte international wahrgenommen werden können. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob die Strukturen vor Ort – Wohnraum, Beratungsangebote, soziale Einbindung – wirklich ausreichen, um diese jungen Menschen nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu halten. Wer hier nicht rechtzeitig in Begleitstrukturen investiert, riskiert, dass der Zulauf auf dem Papier besser aussieht als im Alltag der Studierenden.

Internationale Studierende können strukturschwache Regionen wie Vorpommern beleben – wenn Bleibeperspektiven, Wohnraum und soziale Einbindung tatsächlich vorhanden sind. Für die offene Gesellschaft ist es ein positives Signal, dass eine Fachhochschule im Nordosten weltweit wahrgenommen wird. Ob daraus langfristige Bindung an die Region entsteht, hängt weniger von der Hochschule ab als von kommunaler und landespolitischer Gestaltungskraft.

Stralsund ist kein Hochschulstandort mit großstädtischer Infrastruktur – und genau das ist die eigentliche Frage hinter dieser Meldung. Wohin gehen diese Studierenden nach dem Abschluss, und was tut die Region, damit sie bleiben? Positive Zahlen bei den Einschreibungen sind ein Anfang, aber kein Selbstläufer. Kommunen und Landkreise in MV sollten das als Anlass nehmen, konkrete Bleibeangebote zu entwickeln – von Jobvermittlung über Wohnraumförderung bis zu echten Willkommensstrukturen jenseits von Hochschulbroschüren.