Direkt zum Inhalt
faktisch.
Friday, 1. May 2026
Ticker
Demokratie & Zivilgesellschaft

Jede zweite jüdische Gemeinde erlebt antisemitische Angriffe

Der Lagebericht des Zentralrats der Juden belegt, dass Antisemitismus in Deutschland zur alltäglichen Realität jüdischer Gemeinden geworden ist: Jede zweite Gemeinde meldet Vorfälle von Bedrohung bis Sachbeschädigung. Symbolische Solidaritätsbekundungen reichen nicht aus – gefordert sind konsequente Strafverfolgung, wirksamer Schutz und nachhaltige Präventionsarbeit. Für Mecklenburg-Vorpommern bedeutet das, lokale Schutzkonzepte gemeinsam mit jüdischen Gemeinden zu entwickeln und Zivilgesellschaft sowie Behörden stärker in die Pflicht zu nehmen. Demokratische Gesellschaften messen sich daran, wie sie ihre Minderheiten schützen – nicht nur in Sonntagsreden.

Wenn jüdische Gemeinschaften nicht sicher leben können, ist das kein Randproblem – es ist ein Symptom dafür, wie weit eine offene Gesellschaft bereit ist, ihre eigenen Versprechen einzulösen. Antisemitismus trifft nicht nur Jüdinnen und Juden: Er vergiftet das demokratische Klima für alle, die zu Minderheiten gehören oder als solche markiert werden. Wer hier schweigt oder relativiert, gibt denjenigen Raum, die unsere Gesellschaft insgesamt zurückdrängen wollen.

Für Mecklenburg-Vorpommern, wo Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit historisch tief verwurzelt sind, sind solche Lageberichte kein abstraktes Bundesthema. Zivilgesellschaftliche Strukturen wie Beratungsstellen, Gedenkstätten und Bildungsprojekte gegen Antisemitismus brauchen dauerhafte Förderung statt projektbefristete Einzelmaßnahmen. Kommunen und Landespolitik sind gefordert, Schutz und Prävention als Daueraufgabe zu begreifen – nicht erst nach dem nächsten Vorfall.