Direkt zum Inhalt
faktisch.
Tuesday, 28. April 2026
Ticker
Demokratie & Zivilgesellschaft

Russische Propaganda: Warum Medienkompetenz jetzt Pflicht ist

Mangelnde Medienkompetenz macht demokratische Gesellschaften anfällig für gezielte Desinformationskampagnen – das zeigt das Beispiel Großbritannien. Nordeuropäische Länder wie Finnland haben erfolgreich staatliche Bildungsprogramme zur Informationskritik etabliert, die Bürgerinnen und Bürger systematisch auf Informationskriegsführung vorbereiten. Solche Modelle sind auch für Mecklenburg-Vorpommern relevant, wo digitale Bildung und kritisches Medienwissen in Schulen und Volkshochschulen gestärkt werden könnten. Wer Menschen beibringt, Quellen zu hinterfragen, stärkt die Demokratie von unten.

Desinformation untergräbt demokratische Teilhabe, weil sie Menschen nicht mit falschen Fakten überzeugt, sondern mit Verwirrung und Misstrauen lähmt – das trifft besonders jene, die ohnehin wenig institutionelles Vertrauen haben. Wer gelernt hat, staatlichen Medien nicht zu glauben, ist nicht automatisch besser gegen Propaganda gewappnet – das weiß man in Ostdeutschland aus eigener Erfahrung. Medienkompetenz als Pflichtbestandteil von Bildung und Zivilgesellschaft ist eine der wirksamsten und günstigsten Investitionen in demokratische Resilienz.

Für Mecklenburg-Vorpommern ist das Thema besonders brisant: In einer Region mit historisch niedrigem Institutionenvertrauen und überdurchschnittlich starken Stimmen für antidemokratische Parteien bietet russische Desinformation einen besonders fruchtbaren Boden. Initiativen wie Medienkompetenz-Workshops in Schulen, Volkshochschulen oder Vereinen könnten hier konkret gegensteuern – Modelle aus Finnland oder den baltischen Staaten sind übertragbar. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und mit welchen Partnern MV solche Programme systematisch aufbaut.