Steuerbetrug: Klingbeil will Selbstanzeige-Privileg abschaffen
Steuergerechtigkeit ist keine abstrakte Haushaltsfrage, sondern eine Machtfrage: Wer sich teure Steuerberater und den richtigen Zeitpunkt zur Selbstanzeige leisten kann, hat bislang einen legalen Fluchtweg aus der Strafverfolgung. Das trifft den Zusammenhalt einer Gesellschaft im Kern – denn während kleine Vergehen von Menschen ohne Ressourcen konsequent verfolgt werden, konnten sich Wohlhabende bisher buchstäblich freikaufen. Eine Einschränkung dieses Privilegs stärkt den Rechtsstaat und das Vertrauen in staatliche Institutionen.
Aus demokratiepolitischer Sicht ist die Ankündigung ein überfälliger Schritt: Ein Rechtsstaat verliert seine Glaubwürdigkeit, wenn das Strafrecht faktisch nach Vermögen gestaffelt ist. Für Ostdeutschland hat das eine besondere Resonanz – in Regionen wie MV, wo Steuervermeidung durch Großunternehmen und auswärtige Investoren als alltägliche Ungerechtigkeit erlebt wird, könnte mehr Steuergerechtigkeit direkt mehr Mittel für kommunale Daseinsvorsorge bedeuten. Offen bleibt, ob der Vorstoß parlamentarisch durchsetzbar ist und ob Finanzbehörden personell überhaupt in der Lage wären, mehr Fälle zu verfolgen.