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Thursday, 30. April 2026
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Demokratie & Zivilgesellschaft

Trump lässt sein Gesicht in US-Pass drucken

Die US-Regierung plant eine Sonderedition des Reisepasses mit dem Porträt von Präsident Trump – erstmals seit über einem Jahrhundert trägt ein amtierendes Staatsoberhaupt sein Gesicht in ein offizielles Reisedokument. Der Schritt steht in einer Reihe von Maßnahmen, die staatliche Symbole zunehmend mit der Person des Präsidenten verbinden. Demokratieforscher und Verfassungsrechtler sehen darin eine Verschiebung weg vom republikanischen Prinzip der Gewaltenteilung hin zu einer Personalisierung staatlicher Macht. Für Bürger:innen in Mecklenburg-Vorpommern und anderswo lohnt sich die Frage: Was passiert, wenn Amtsträger beginnen, Staatssymbole als persönliche Bühne zu nutzen?

Wenn ein amtierender Politiker sein Gesicht auf staatliche Dokumente druckt, verwischt er die Grenze zwischen Person und Staat – eine Praxis, die historisch eher aus autoritären Systemen bekannt ist. Staatliche Symbole wie Pässe oder Währungen gehören allen Bürgerinnen und Bürgern, nicht einem einzelnen Amtsträger. Wer diese Grenze aufweicht, beschädigt das Grundprinzip demokratischer Repräsentation.

Was hier passiert, kennt man aus der Geschichte: Herrscher drucken ihre Gesichter auf Alltagsdokumente, um Macht sichtbar und allgegenwärtig zu machen. Dass das in einer der ältesten Demokratien der Welt wieder geschieht, ist kein Kuriosum – es ist ein Warnsignal. Für Menschen, die wie ich erlebt haben, wie ein Staat sein Symbol mit einer Person gleichsetzt, klingt das nicht nach Jubiläumsfeier, sondern nach einem bekannten Muster. Die Frage, die demokratische Gesellschaften stellen müssen: Welche Institutionen und Normen verhindern solche Schritte – und wie robust sind sie noch?