Wahlkampfpost weggeworfen: Royal Mail ermittelt gegen Zusteller
Freie und faire Wahlen setzen voraus, dass alle kandidierenden Parteien gleichberechtigten Zugang zu den Wählerinnen und Wählern haben – das gilt auch für Parteien, deren Inhalte viele ablehnen. Wer selektiv entscheidet, welches Wahlkampfmaterial zugestellt wird, maßt sich eine Macht an, die in einer Demokratie niemandem als Einzelperson zusteht. Gerade Menschen, die erlebt haben wie politische Kontrolle über Information funktioniert, wissen: Der Schutz fairer Verfahren gilt für alle – oder er gilt für niemanden.
Dieser Fall ist ein Lehrbeispiel dafür, wie demokratische Spielregeln auch dann verteidigt werden müssen, wenn die Sympathien woanders liegen. Die Stärke eines Rechtsstaats zeigt sich genau daran, dass staatliche und halbstaatliche Institutionen neutral funktionieren – nicht weil man alle Parteien gleich gut findet, sondern weil Verfahrensgerechtigkeit die Grundlage jeder Demokratie ist. Für Kommunen und demokratische Bildungsarbeit in MV bietet der Fall einen konkreten Gesprächsanlass: Was sind die Grenzen politischen Engagements im Beruf, und wie schützen wir faire Wahlen strukturell?