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Wednesday, 22. April 2026
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Warum wir das Artensterben nicht mehr richtig wahrnehmen

Das 'Shifting Baseline Syndrom' erklärt, warum viele Menschen den schleichenden Verlust der Artenvielfalt nicht mehr wahrnehmen: Jede Generation betrachtet den Naturzustand ihrer Kindheit als Normalzustand und verliert so das Gespür für das Ausmaß des Artenschwunds. Der Referenzpunkt für 'intakte Natur' sinkt mit jeder Generation weiter ab, ohne dass es bewusst auffällt. Wer diesen Wahrnehmungsfehler kennt und benennt, schafft eine wichtige Grundlage, um gesellschaftlich entschlossener auf die Biodiversitätskrise zu reagieren.

Eine informierte Gesellschaft braucht nicht nur Fakten über das Artensterben, sondern auch ein Verständnis dafür, warum diese Fakten so schwer emotional und politisch zu verankern sind. Das Shifting-Baseline-Syndrom erklärt strukturelle Wahrnehmungslücken und ist damit ein Schlüsselkonzept für eine zukunftsfähige Umweltkommunikation und Naturschutzpolitik.

Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den artenreichsten Regionen Deutschlands – Ostseeküste, Moore und Wälder sind Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Umso wichtiger ist es, dass Bürgerinnen und Bürger vor Ort verstehen, was 'Normalzustand' wirklich bedeutet und wie trügerisch subjektive Naturwahrnehmung sein kann. Die Auseinandersetzung mit psychologischen Barrieren für Umweltbewusstsein kann konkrete Naturschutzprojekte in der Region stärken.