Wer zahlt eigentlich? Gabriel Zucman über Reichensteuern
Steuergerechtigkeit ist keine abstrakte Fachfrage, sondern entscheidet direkt darüber, ob Schulen saniert, Pflegepersonal anständig bezahlt und öffentliche Infrastruktur in strukturschwachen Regionen erhalten werden kann. Wenn Milliardäre effektiv weniger Steuern zahlen als Krankenpflegerinnen oder Supermarktmitarbeiter, untergräbt das das Vertrauen in staatliche Institutionen und schwächt die demokratische Legitimation von Steuerpolitik. Zucmans Arbeit macht deutlich, dass das kein Naturgesetz ist, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen – und also auch veränderbar.
Für Mecklenburg-Vorpommern und andere strukturschwache Regionen ist die Frage der Steuerverteilung besonders drängend: Fehlende Mittel treffen hier härter als anderswo, weil die kommunale Ausgangslage schwächer ist. Ein internationales Mindeststeuersystem für Superreiche würde zusätzliche Milliarden in öffentliche Haushalte spülen – Geld, das in Ostdeutschland direkt in Daseinsvorsorge und demokratische Teilhabe investiert werden könnte. Die Debatte, die Zucman anstößt, gehört deshalb nicht nur in Wirtschaftsredaktionen, sondern in Gemeinderäte und Bürgerversammlungen.