Wien baut Gedenkstätte für ermordete Roma und Sinti
Gedenkstätten für marginalisierte Gruppen sind kein Selbstzweck: Sie anerkennen, dass bestimmte Menschenleben lange als weniger erinnerungswürdig galten – und korrigieren das öffentlich. Wenn die betroffene Gemeinschaft selbst den Standort mitbestimmt, statt ihn oktroyiert zu bekommen, ist das ein Stück gelebter Würde. Für eine offene Gesellschaft ist das Vorbildcharakter: Erinnerungskultur gelingt nur, wenn sie von unten mitgestaltet wird.
In Deutschland – und besonders in Ostdeutschland – ist die Erinnerung an den Porajmos bis heute unterentwickelt. Roma und Sinti gelten oft als Gruppe ohne Lobby, deren Leid im kollektiven Gedächtnis hinter dem der jüdischen Opfer zurücktritt. Das Wiener Modell zeigt, dass eine partizipative Gedenkkultur möglich ist: Die Volksgruppe selbst als mitentscheidende Akteurin, nicht als Objekt wohlmeinender Gesten. Für Kommunen in MV, die eigene Erinnerungsarbeit betreiben, ist das ein konkretes Modell – auch was die Einbeziehung heute noch diskriminierter Minderheiten angeht.